Der Untertan by Heinrich Mann
Author:Heinrich Mann [Mann, Heinrich]
Format: epub
ISBN: 9783596136407
Publisher: Fischer Verlag
Published: 2011-03-28T22:00:00+00:00
»Nicht zu machen« — Diederich vollführte eine unvorsichtige Bewegung nach dem Ausgang, worauf der Herr ernstlich gegen ihn vorging. Diederich mußte ringen, fiel auf einen Chlorsack und der Herr über ihn. »Stehen Sie auf«, keuchte Diederich, »hier werden wir gebleicht.« Der Premierleutnant heulte auf, als brennte es ihm schon durch die Kleider — und plötzlich hatte er seine stramme Haltung zurück. Er zwinkerte. »Präsident von Wulckow eklig hinterher, daß Sie verkaufen, sonst kein Geschäft mit ihm zu machen. Vetter Quitzin arrondiert Besitz hierherum. Rechnet bestimmt auf Ihr Entgegenkommen. Hundertzwanzig die Kiste.« Diederich, bleicher, als wäre er im Chlor liegengeblieben, versuchte noch: »Hundertfünfzig« — aber die Stimme versagte ihm. Das war mehr, als man loyalerweise fassen konnte! Wulckow, starrend von Beamtenehre, unbestechlich wie das Jüngste Gericht! ... Mit einem trostlosen Blick überflog er nochmals die Gestalt dieses Karnauke, Premierleutnants a.D. Den schickte Wulckow, dem lieferte er sich aus! Hätte man nicht neulich, unter vier Augen, mit aller gebotenen Vorsicht und gegenseitigen Achtung das Geschäft verhandeln können? Aber diese Junker konnten nur den Leuten an die Kehle springen; auf Geschäfte verstanden sie sich noch immer nicht. »Gehen Sie nur voran zum Notar«, raunte Diederich, »ich komme gleich.« Er ließ ihn hinaus. Wie er aber selbst fort wollte, stand da der alte Sötbier, noch immer mit den gekniffenen Lippen. »Was wünschen Sie?« Diederich war ermattet.
»Junger Herr«, begann der Alte hohl, »was Sie jetzt vorhaben, dafür kann ich nicht mehr die Verantwortung tragen.«
»Wird nicht verlangt.« Diederich gab sich Haltung. »Ich weiß allein, was ich tue.« Der Alte hob beschwörend die Hände.
»Sie wissen es nicht, junger Herr! Unsere Lebensarbeit von Ihrem seligen Vater und mir, die verteidige ich! Daß wir das Geschäft aufgebaut haben mit Fleiß und solider Arbeit, dadurch sind Sie groß geworden. Und wenn Sie mal teure Maschinen kaufen und mal die Aufträge ablehnen, das ist ein Zickzackkurs, damit bringen Sie das Geschäft herunter. Und jetzt verkaufen Sie das alte Haus!«
»Sie haben an der Tür gehorcht. Wenn etwas geschieht, ohne daß Sie dabei sind, das vertragen Sie noch immer nicht recht. Erkälten Sie sich hier nur nicht.« Diederich höhnte.
»Sie dürfen es nicht verkaufen!« jammerte Sötbier. »Ich kann nicht zusehen, wie der Sohn und Erbe meines alten Herrn die solide Grundlage der Firma untergräbt und treibt Großmannspolitik.«
Diederich maß ihn mitleidig. »Großzügigkeit war zu Ihrer Zeit noch nicht erfunden, Sötbier. Heute wagt man was. Betrieb ist die Hauptsache. Später werden Sie sehen, wozu es gut war, daß ich das Haus verkaufe.«
»Ja, das werden Sie auch erst später sehen. Vielleicht wenn Sie bankerott sind oder wenn Ihnen Ihr Schwager, Herr Kienast, einen Prozeß anhängt. Sie haben gewisse Manipulationen gemacht zum Schaden Ihrer Schwestern und Ihrer Mutter! Wenn ich dem Herrn Kienast manches sagen wollte —: bloß daß ich Pietät habe, sonst könnte ich Sie ins Unglück bringen!«
Der Alte war außer sich. Er kreischte, Tränen der Wut in den roten Lidern. Diederich trat nahe an ihn hin, er hielt ihm die geballte Hand unter die Nase. »Das versuchen Sie mal! Ich beweise glatt, daß Sie die Firma bestohlen haben, und zwar schon immer.
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